Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz

INITIATIVE ZUR GRÜNDUNG

Noch nie in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik gab es so viele ernst gemeinte und öffentliche Bekundungen gegen Fremdenfeindlichkeit, so viele wohlwollende Bemühungen um Mahnmale, Gedenkveranstaltungen und öffentliche Solidarität gegen Antisemitismus. Noch nie in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik erlebten wir so häufig salonfähig gewordenen Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft und den Parteien.

Auf dem Nährboden von Perspektivlosigkeit, Unwissenheit und sozialen Problemen erfährt Antisemitismus in Deutschland eine neue Renaissance. Juden und Judentum begegnen den Jugendlichen nur in sehr distanzierter Form: Als bewachte Synagoge etwa, auf verlassenen Friedhöfen oder öffentlich frequentierten Mahnmalen. Jugendliche machen mit Tabubrechenden Mitteln wie Friedhofsschändungen, Gewalttaten oder Anschlägen gegen jüdische Einrichtungen auf sich aufmerksam.

Selbstverständliches jüdisches Leben, wie man es aus anderen Ländern wie den USA, Großbritannien oder Frankreich kennt, ist für sie in Deutschland als Ergebnis des Holocaust nicht mehr sichtbar.
Dem steht eine hoffnungsvolle Entwicklung jüdischen Lebens in Deutschland gegenüber. Seit dem Ende des Kalten Krieges wächst die jüdische Gemeinschaft in Deutschland kontinuierlich. Die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion hat die jüdische Gemeinde in Deutschland nahezu verdoppelt. Mit wachsender Zahl der jüdischen Gemeinden wächst die Vielfalt jüdischer Lebensentwürfe. Dies hat zur Folge, dass sich die bewährten Strukturen jüdischen Lebens in Deutschland in einer Aufbruchstimmung und Neuorientierung befinden.

Diese Entwicklung veranlasste eine Gruppe von Berliner und Brandenburger Bürgern Begegnungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Jugendlichen zu organisieren und zu diesem Zweck eines der in Brandenburg vorhandenen Herrenhäuser wieder instand zu setzen. Im Jahr 2001 wurde deshalb unter Beteiligung der Gemeinde Gollwitz, des Landkreises Potsdam-Mittelmark und der Mithilfe prominenter Menschen aus Politik und Gesellschaft die gemeinnützige "Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz" gegründet, um einen Ort der Begegnung von Juden und Nichtjuden zu schaffen.

Die Stiftung ist keine "jüdische" oder "nichtjüdische" Institution. Sie hat sich die Stärkung des Demokratiegedankens, die Aufklärung, Annährung, Information und Begegnung von Juden und Nichtjuden zum Ziel gesetzt und möchte dadurch dem Erstarken von Antisemitismus etwas entgegensetzen. Dieses wird durch Jugendbegegnungswochen und Seminare verwirklicht. MultiplikatorInnen haben die Möglichkeit, sich auf den aktuellen Stand der Forschung und Entwicklung fortzubilden.

Auszüge aus der Satzung der Stiftung "Begegnungsstätte Schloss Gollwitz"
Präambel
Es ist das Ziel der Stiftung, die Verständigung und Toleranz zwischen Menschen unterschiedlicher Religion, Nationalität, Herkunft und Kultur zu fördern und deren friedliches Zusammenleben in Deutschland und insbesondere in Brandenburg zu fördern. Dadurch soll Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland entgegengewirkt werden. Ein Schwerpunkt ist die Förderung des Gedankenaustauschs und des Verständnisses zwischen Juden und Nicht-Juden.
§ l Name, Sitz, Rechtsform
Die Stiftung fuhrt den Namen "Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz". Ihr Sitz ist in Gollwitz. Sie ist eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts.
§ 2 Zweck
(1) Zweck der Stiftung ist die Förderung der Bildung und Erziehung, die Förderung der Völkerverständigung und der Kultur sowie die allgemeine Förderung des demokratischen Staatswesens.(2) Der Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch den Betrieb einer Begegnungsstätte in Gollwitz und der Durchführung von Seminarveranstaltungen, insbesondere für Jugendliche zu den Themen des Stiftungszweckes.
(3) Die Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts "Steuerbegünstigte Zwecke" der Abgabenordnung.
(4) Die Stiftung ist selbstlos tätig; sie verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.

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